Zwei Tage, viele Perspektiven und konkrete Ansätze für den Museumsalltag: Bei der Tagung Gemeinsam Digital am 23. und 24. Juni im Hospitalhof Stuttgart treffen sich kleine und mittlere Museen, um den digitalen Wandel gemeinsam anzugehen. Good-Practice-Beispiele, vertiefende Sessions und Impulse zeigen an zwei Tagen, wie Digitalität, Partizipation und KI im Museum tatsächlich funktionieren können – auch mit wenigen Ressourcen.
Im Interview gibt das Team Digitale Kultur der MFG Baden-Württemberg Einblicke in die Tagung und erklärt, warum gerade kleine Museen hier nicht nur Impulse mitnehmen, sondern konkrete nächste Schritte entwickeln können.
Warum musste es nach der ersten Ausgabe von Gemeinsam Digital 2024 in diesem Jahr unbedingt weitergehen?
Weil die erste Ausgabe gezeigt hat, dass hier mehr entstanden ist als ein einmaliges Format: eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Partnern, viele prägende Erlebnisse und eine durchweg offene, inspirierende Atmosphäre unter den Teilnehmenden.
Dazu kam der Eindruck, dass die diskutierten Themen nicht abgeschlossen sind, sondern im Gegenteil an vielen Stellen weitergedacht werden sollen und müssen. Aus dem ersten Treffen ist damit nicht nur ein Ergebnis, sondern vor allem ein Prozess entstanden!
Welche Themen mussten bei dieser Ausgabe auf jeden Fall ins Programm – und warum?
Im Bereich Digitalität steht die Frage im Mittelpunkt, welche konkreten Möglichkeiten und Vorteile digitale Ansätze für Museen bieten – von neuen Formen der Vermittlung bis hin zu erweiterten Zugängen zu Sammlungen und Inhalten. Eng damit verbunden ist die Frage, wie Museen eine “Kultur der Digitalität” aktiv gestalten können, in der Zielgruppen nicht nur adressiert, sondern gezielt in Projekte eingebunden werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einsatz von KI im Museumsbereich: Wo kann sie sinnvoll unterstützen, Prozesse erleichtern oder neue Formen der Vermittlung und Interaktion ermöglichen, ohne dabei den inhaltlichen Kern musealer Arbeit zu verdrängen?
Welche Themen lassen sich nur gemeinsam wirklich weiterdenken?
Digitalität, Partizipation und KI lassen sich nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven sinnvoll weiterentwickeln – also zwischen musealer Praxis, technischer Umsetzung, Vermittlung und Publikumserfahrungen.
Wichtig sind dabei Good-Practice-Beispiele: nicht nur erfolgreiche Projekte, sondern ausdrücklich auch Erfahrungen und der Umgang mit Herausforderungen, Fehlern und schwierigen Phasen. Gerade das offene Teilen davon zeigt, wie sich Lösungen finden und Prozesse anpassen lassen – und macht Lernen zwischen den Häusern erst wirklich möglich.
So entsteht Weiterentwicklung vor allem dort, wo Erfahrungen aus der Praxis geteilt und gemeinsam eingeordnet werden.
Wo wollt ihr bewusst Raum für Austausch schaffen – jenseits klassischer Vorträge?
Ganz bewusst in den Momenten, in denen das Programm Luft lässt und Gespräche ihren eigenen Raum bekommen. Wir haben großzügige Pausen eingeplant als Einladung zum Austausch, zum Nachfragen und zum Vernetzen.
Und dann natürlich der Abendempfang am ersten Tagungstag – gedacht als einen Moment, den Tag gemeinsam Revue passieren zu lassen. Was ist hängen geblieben? Welche Fragen sind offen? Mit wem wollte man ohnehin schon immer mal ins Gespräch kommen?
Am zweiten Tagungstag lädt der Markt der Möglichkeiten zum Austausch ein. Dort präsentieren Museen unterschiedliche Projekte und greifen Themen auf wie Vermittlung, digitale Barrierefreiheit oder Gaming. Im Mittelpunkt stehen dabei die im Umsetzungsprozess gesammelte Erfahrung und die lessons learned. In lockerer Atmosphäre können sich alle Teilnehmenden zu neuen Projekten inspirieren lassen…
Was hat euch bei der Vorbereitung überrascht?
Überraschend war vor allem, wie gut auch dieses Mal das Zusammenspiel funktioniert hat: Aus vielen parallelen Abstimmungen, Rückfragen und kurzfristigen Anpassungen ist Schritt für Schritt ein ziemlich gutes Programm entstanden. Zwischen internen Schleifen, externen Rückmeldungen und einer bemerkenswert hohen Anzahl an E-Mails hat sich gezeigt: Wenn genug Menschen gleichzeitig an denselben Stellschrauben drehen, entsteht am Ende ein gutes Ergebnis. Tolle Kolleg*innen und starke Partner machen das möglich.
Worauf freut ihr euch am meisten, wenn es endlich losgeht?
Darauf, dass aus Planung endlich Begegnung wird und echte Gespräche sowie lebendige Diskussionen stattfinden.
Außerdem auf den Moment, in dem das Programm nicht mehr nur auf dem Papier funktioniert, sondern sich im Raum entfaltet – mit all den spontanen Fragen, Perspektiven und Anschlussgesprächen, die sich nicht planen lassen. Und nicht zuletzt darauf, dass die intensive Vorbereitung dann genau den Raum schafft, in dem Austausch wirklich entstehen kann.
Was verpassen alle, die nicht kommen?
Eine tolle Atmosphäre vor Ort sowie Gespräche und Diskussionen, die oft erst abseits der Vorträge richtig Fahrt aufnehmen.
Dazu kommt die besondere Mischung aus inhaltlicher Tiefe und Praxisbezug – also die Gelegenheit, aktuelle Fragen rund um Digitalität, Partizipation und KI nicht nur theoretisch zu hören, sondern gemeinsam weiterzudenken und mit anderen Perspektiven abzugleichen.
Und nicht zuletzt das Zusammenspiel der Teilnehmenden selbst: unterschiedliche Erfahrungen, überraschende Impulse und genau die Momente, in denen aus einem kurzen Austausch neue Ideen oder Kooperationen entstehen.
Hand aufs Herz: Wie viel Kaffee braucht man, um eine Tagung dieser Größe “mal eben” zu planen?
Sehr viel Kaffee. Wirklich sehr viel. Wobei sich ehrlicherweise die Frage stellt, ob der Kaffee wegen der Vorbereitungen getrunken wird oder ob die Tagung nicht eher als Tarnung dient, um den ohnehin schon hohen Kaffeekonsum zu rechtfertigen. Vermutlich ist es wie so oft im Leben: Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Terminkalender, to-dos und der dritten (oder fünften) Tasse Kaffee.






